Die Bluesband spielt auf Armlänge, Eintritt kostet nichts, bezahlt wird mit Trinkgeld. Die besten Bühnen im Süden der USA stehen selten im Reiseführer. In Juke Joints, Honky-Tonks und historischen Musikhallen zwischen Mississippi-Delta und Atlantikküste leben Blues, Jazz, Country und Soul dort weiter, wo sie entstanden sind. Dazu kommen Gerichte und Drinks, die so typisch sind wie der Sound.
Wo der Blues zu Hause ist
Die Spur führt zuerst nach Mississippi, ins Delta, wo der Blues seine Wurzeln hat. Das Blue Front Café in Bentonia gilt als ältester noch aktiver Juke Joint des Staates. Es wurde 1948 eröffnet, und Bluesmusiker Jimmy „Duck“ Holmes betreibt es bis heute. Das schlichte Gebäude aus Hohlblocksteinen hat nur einen Raum und trägt eine Tafel des Mississippi Blues Trail. In Clarksdale empfängt Red’s Lounge die Gäste mit rotem Neonlicht. Der Ort ist schnörkellos und vor allem unter Eingeweihten bekannt.
Blue Front Café in Bentonia, Mississippi Aus der Jukebox kommen Soul und Funk, dazu isst man einen Soul Burger mit Senf und Zwiebeln. Dafür ist Earnestine & Hazel’s in Memphis, Tennessee, berühmt. Das Lokal war früher ein Bordell, und angeblich spukt es dort bis heute.
Live-Band im Earnestine & Hazel’s in Memphis, Tennessee
Kentucky hat mehr zu bieten als Bourbon und Pferde. Jeden Montag lädt der Bluesmusiker Tee Dee Young zur Jam-Session in Tee Dee’s Lounge in Lexington ein. Er stand schon mit Aretha Franklin und James Brown auf der Bühne. Akustischen Bluegrass gibt es beim Rosine Barn Jamboree im Heimatort von Bill Monroe, jeden Freitag von April bis Dezember.
Live-Auftritt in Lexington, Kentucky
Jazz nach Mitternacht
Kansas City hat den amerikanischen Jazz entscheidend mitgeprägt, und Missouri hält dieses Erbe lebendig. In der Mutual Musicians Foundation verbrachten einst Count Basie und Charlie Parker prägende Jahre. Die Jam-Sessions beginnen hier freitags und samstags bis heute erst nach Mitternacht. St. Louis steuert eine kulinarische Anekdote bei: Toasted Ravioli entstanden in den 1940er Jahren, als Ravioli versehentlich in der Fritteuse landeten.
Ausstellung des American Jazz Museum in Kansas City, Missouri
Louisiana erzählt seine Musikgeschichte auch jenseits von New Orleans, vor allem in kleineren Städten. Im Shreveport Municipal Auditorium gab Elvis Presley 1954 sein Debüt bei der Louisiana Hayride. Die Dew Drop Jazz and Social Hall in Mandeville gibt es schon seit 1895. Sie ist einer der ältesten ländlichen Jazzsäle der USA, und auch Louis Armstrong stand dort auf der Bühne.
Foto von Louis Armstrong und Peter Davis im New Orleans Jazz Museum, Louisiana Aus Alabama kommt der Muscle Shoals Sound. In der Region The Shoals nahmen Aretha Franklin, die Rolling Stones und Wilson Pickett Songs auf, die Musikgeschichte schrieben. Beim Festival SkyDog: The Shoals Experience in Florence stehen bekannte Künstler heute zusammen mit legendären Studiomusikern auf der Bühne, jeden August ein ganzes Wochenende lang.
Honky-Tonks, Tanzflächen und Neonlicht
Drei Städte, drei Klangwelten: Die Musikroute Rhythms of the South verbindet Atlanta, Nashville und New Orleans. Auf dem Honky Tonk Highway in Nashville kostet kein Honky-Tonk Eintritt, die Bands spielen für Trinkgeld. Andächtiger geht es im Ryman Auditorium zu, der „Mother Church of Country Music“. Dort sitzt man bis heute auf den originalen Eichenbänken der ehemaligen Kirche von 1892. In New Orleans schlägt das Herz im Takt der Musik. In den Clubs der Frenchmen Street, in der Preservation Hall, bei Straßenmusikern und in Musikclubs an jeder Ecke des French Quarter erklingen Tag und Nacht Jazz, Brass, R&B, Soul und Zydeco.
Honky Tonk Highway in Nashville, Tennessee
South Carolina bittet zum Tanz. Fat Harold’s Beach Club in North Myrtle Beach nennt sich „Home of the Shag“. Der Tanz entstand in der Beach-Club-Kultur des Grand Strand und ist seit 1984 offizieller Tanz des Bundesstaates. Dazu gibt es Calabash-Seafood. Wer lieber Line Dance und Two-Step tanzt, geht in den Skyline Club in Columbia. Dort werden Carolina-BBQ-Slider serviert.
Tanzpaar beim Shag in Myrtle Beach, South Carolina
In North Carolina reicht das Spektrum vom Blues an der Küste bis zur Musik der Berge. Im Rusty Nail Saloon in Wilmington wird seit 1957 der Blues gepflegt. Beim Alleghany Jubilee in Sparta in den Blue Ridge Mountains kommen mehrere Generationen zu Bluegrass, Clogging und Square Dance zusammen.
Alleghany Jubilee in Sparta, North Carolina
Ob Juke Joint im Delta, Jam-Session nach Mitternacht oder Shag-Abend am Atlantik: Im Süden der USA erlebt man Musik nicht aus der Distanz. Bühne und Publikum sind kaum voneinander getrennt, und der Sound erklingt bis heute an den Orten, an denen er entstanden ist.
Vom höchsten Berg östlich des Mississippi – dem Mount Mitchell bis zur höchsten Düne an der Ostküste des Atlantik bei Jockey's Ridge - die landschaftliche Schönheit zieht sich durch den gesamten Bundesstaat North Carolina.